Raus aus dem 5 Sterne Hotel – Realität für PR Ausbildungen

Am 2.11.2010 darf ich auf dem Podium des Media Coffees mitreden, ob künftig nur vernetzte Online-Profis eine Chance in Kommunikationsjobs haben? Oder hinken die PR-Ausbildungen der Realität hinterher? Nachdem ich vor drei Jahren in einer Weiterbildung für Corporate Communications am SPRI das Wörtchen Online vermisste und u.a. den Online Chef von 20 Minuten kennen lernen würde, freute ich mich sehr auf meine Gesprächspartner:

Markus Berger, Direktor SPRI
Roman Geiser, COO Burson-Marsteller EMEA, Präsident BPRA
Hansi Voigt, Chefredaktor 20 Minuten Online
Marina Villa, Moderatorin
Doch jetzt hindert mich eine Grippe und ich trage meine Meinung hier zum #mediacoffee statt vor Ort bei:

Stellen wir uns einen Vertreter vor, der Sonnencreme in grossen Mengen an Hotels verkauft. Er reist in heisse Länder, checkt im 5 Sterne Hotel ein, um nah am Endverbraucher zu sein. Er spricht mit dem Manager und dem Animateur. Er kennt seine Multiplikatoren und informiert sie über Neuerungen. Klar, denn sie kommunizieren für ihn.

Leute, die miteinander reden

Leute, die miteinander reden. Sinnbild für Social Media

Eines Tages geht er raus aus dem Komplex, nimmt den nächstbesten Linienbus, spaziert am Strand und plaudert mit dem Saft-Verkäufer. Er hört, was die Leute beschäftigt. Die Menschen reden über das Essen, die sengende Hitze und wie sie sich davor schützen. Der Vertreter hört auch Geschichten, mit denen er vorerst nicht viel anfangen kann. Oder doch? Das wird sich später noch zeigen. Längst wieder daheim, bemerkt er, dass der nette ältere Herr im Strassencafé der Manager des neu gebauten Hotels ist, von dem er jetzt die privaten Sorgen mit seiner Enkelin kennt. ok – schnitt – Storytelling ist heut nicht das Thema.

Das aber ist mein Sinnbild für die neue Kommunikation, die wir nicht in Kanäle, Online oder Print Medien, bezahlt oder unbezahlt einordnen können. Bezugsgruppen halten sich nicht mehr zwangsläufig an/in „vermeintlich sicheren Orten/Medien“ auf. Menschen haben eine sehr niedrige Schwelle für ihre individuelle Kommunikation. Was die Leute bewegt, kann jeder einfach in ein Netzwerk der Wahl schreiben.

knipsen und posten

knipsen und posten ist fast schon ein Automatismus


Die Ausstattung eines fliegenden Reporters hat fast jeder in der Tasche. Handies zum Schreiben, Filmen, Fotografieren und vorallem zum Echtzeit-Kommunizieren.
Sucht jemand nach bestimmten Informationen, fragt er Google oder einen Freund (via Facebook?).

Dessen Aussagen werden in Tests als glaubwürdiger empfunden, als offizielle Botschaften vom Unternehmen. Das ist die Realität.

Realität für PR Ausbildungen

Diese Kommunikation basiert auf neuen Mechanismen. Dem müssen sich auch Ausbilder für PR-Profis stellen. Ich wünsche ich mir nicht einzelne Massnahmen, die „Kanäle bespielen“, sondern ein tieferes Verständnis der Kommunikation unserer Zeit:

– Kommunikation findet nicht nur über definierte Kanäle (Hotel) statt
– PR kommuniziert mit Menschen und nicht mit deren Rollen und Funktionen
– PR hört, moderiert, beteiligt sich, entdeckt oder setzt Themen
– Reines Senden (ohne Kommentare) via Medien ist vorbei
– Ein Monitoring gibt Stimmungen wieder, Clippings zeigen Veröffentlichungen
– Social Media ist kein Kanal sondern eine Abbildung aus dem realen Leben
– Kommunikation findet statt ob mit oder ohne die PR-Verantwortlichen

Public Relations ist nicht Press Relations, sondern wird seinem Namen Public dank sozialen Netzwerken gerecht. Ich glaube, dazu müssen wir PR-Leute auch persönlich mit unseren sozialen Fähigkeiten agieren. Diese und die Kenntnis über Mechanismen der neuen Kommunikation sind wesentliche Erfolgsfaktoren für eine gute PR-Arbeit in Zukunft. Klassischen PR-Instrumente setze ich dabei natürlich voraus.

Und ja, PR-Leute müssen sich vernetzen, um ihren Kommunikationsjob künftig erfolgreich zu meistern, denke ich.

Weitere Beiträge dazu:
Hilfe, mein Kunde will in Facebook mein Freund sein
Social Media Starter
Social Media Monitoring in der Praxis

  • Advertisements

    Über su

    Denkt, hört, lernt, kommuniziert, macht Fehler. Und dann noch Online Kommunikationsberaterin (schönes Wort), Dozentin, Yoga, KTM
    Dieser Beitrag wurde unter Corporate Dialog und PR, Vorträge veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

    5 Antworten zu Raus aus dem 5 Sterne Hotel – Realität für PR Ausbildungen

    1. Pingback: Tweets that mention Raus aus dem 5 Sterne Hotel – Realität für PR Ausbildungen | Netwoman's Blog -- Topsy.com

    2. FrauFriitig schreibt:

      „PR kommuniziert mit Menschen!“ Egal ob in der Business-Rolle oder Privat, es geht um Menschen. M.E. müssen PR-Schaffende unbedingt auf den Social Media-Zug aufspringen, auch wenn man vorerst nur beobachtet. Jeder sollte wissen, was Thema ist, wo sich „seine“ Leute aufhalten, was sie denken, wie sie fühlen, was ihnen sonst noch gefällt oder eben auch nicht. Social Media ist für mich eine grosse Büchse mit vielen verschiedenen Informationen, die es zu filtern gilt. Ich versuche, das Notwendige für mich herauszulesen, -zusehen und –zuhören, reagiere gleich oder behalte es im Hinterkopf, um später agieren zu können. Die Büchse wird immer grösser… es gibt noch viel zu tun!
      Ich freue mich auf die Podiumsdiskussion am #mediacoffee vom nächsten Dienstag und dir liebe Su wünsche ich gute Genesung!

      • sufranke schreibt:

        liebe FrauFriitig
        Dankeschön für den schönen Vergleich mit der Büchse. Die Kölner haben so eine Redensart „die Welt in Döschen“ und beschreiben damit, wenn man glücklich ist.
        Ich bin gespannt, was Ihr so von der Podiumsdiskussion twittert. Damit ich ein bisschen zuhören und mitreden kann. Geht mir schon bissle auf die Nerven, dass ich nicht dabei bin. Aber langsam gehts mir besser, nur viel Schwatzen ist noch nicht. Zum Glück gibts Tastaturen 😉

        Übrigens, wenn Du mal über Deine Büchse hier schreiben magst, ich würd mich freuen über Deinen Gastbeitrag.

    3. sufranke schreibt:

      komisch selber kommentieren, aber ja. Morgen gibts ne Twitterwall vor Ort. Unter #mediacoffee dürfen also auch Nichtanwesende mitschwätzen. Freut mich, danke Kai Gerwig (GF von newsaktuell) http://www.newsaktuell.ch/ueberuns/

      Viel Spass wünsch ich.

    4. FrauFriitig schreibt:

      Danke dir für das Angebot, da komme ich gerne darauf zurück.
      Büchsen sind super gell, meistens steckt mehr drin, als man meint 😉

      Irgendwie habe ich das Gefühl, dass an dem #mediacoffee sehr wenige Twitterer teilnehmen, ich lese fast nichts dazu. Bin neugierig, wie das Publikum ist. Twitterwall tönt cool!

    Kommentar verfassen

    Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

    WordPress.com-Logo

    Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

    Twitter-Bild

    Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

    Facebook-Foto

    Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

    Google+ Foto

    Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

    Verbinde mit %s