Das Handwerk Bloggen

hab heute eine Frage bei Tim Krischark in Facebook aufgeschnappt. „Warum haben viele Blogs keine Blogroll mehr?“ Das war mir noch nicht aufgefallen, vermutlich, weil ich sorgfältig (selten) neue Blogs abonniere, weil die werbende Gilde das Bloggen (vermeintlich) entdeckt hat. Überlege ich, warum ich einen Blog regelmässig lese, ist dies vermutlich die Antwort auf obige Frage und ich weiss, warum „meine Blogger“ eine Blogroll haben.

Egal ob Corporate oder aus persönlichem Engagement, ich erwarte von einem Blog, dass

– mich das Thema interessiert (!)
– ich etwas lerne
– neue Impulse bekomme
– Informationen schnell verfügbar sind
– die Posts kurz sind, auf den Punkt kommen
– ich das Geschriebene verstehe
– mir der Autor symphatisch ist
– der Autor souverän mit anderen Meinungen umgeht
– ich mehr erfahre, als in klassischen Medien, Hintergundinfos
– durch Kommentatoren ein gutes Meinungsbild bekomme
– der Autor nicht oder wenig wirbt
– keine Print, Marketing oder PR Inhalte 1:1 gepostet werden
– ich RSS oder sogar per E-Mail abonnieren kann
– der Autor nicht zu häufig schreibt (höchstens 1 x pro Woche)
– der Autor auf weitere Inhalte verweist
– auch selbstlos teilt, des Wissens wegen
– und natürlich eine Blogroll hat, das gehört für mich zur Bloggerkultur
– sich auch mal bei Anderen fürs Empfehlen oder den Dialog bedankt, z.b. so

Wer darauf verzichtet, missbraucht den (Corporate) Blog als Werbegefäss für die eigenen Anliegen. Ein Blog ist nicht für Werbebotschaften geeignet, das quittieren dann fehlende Leser. Und mal ehrlich. Dafür haben wir doch Websites, Broschüren, Newsletter etc. Der Blog hebt sich durch echte Meinungen und interessante Inhalte von den sonstigen Werbe- bzw. Kommunikationsmitteln ab.

Im Blog geht es um den Dialog. Dass dieser sowieso stattfindet, wissen die meisten Leute und Unternehmen inzwischen. Drum lohnt sich, zu diesem Dialog in ein „eigenes Gefäss“ einzuladen, statt ihn auf anderen Plattformen zu verlieren, aber bitte mit Blog Kultur und vielleicht kann man bei erfolgreichen Bloggern mal über die Schulter kucken. Das Handwerk Bloggen erlernt man nicht von heute auf morgen. Frage ich aber einen „echten“ Blogger, wie Spreeblick z.B. wird er sein Wissen gerne weiter geben.

Dass eine Persönlichkeit oder mehrere in Unternehmen bloggen, setze ich jetzt mal voraus, das ist selbstverständlich unabhängig von Rang oder Titel, sondern von Engagement, Glaubwürdigkeit und Mut zu öffentlichen Fehlern. Die werden passieren, das kann ich versprechen. Gut ist, wenn jemand beginnt, der das Handwerk schon beherrscht, z.B. aus privatem Umfeld.

Frage: Wie muss ein Corprate Blog getextet sein

Fast zeitgleich fragte das Tanja heute von Tanja, was mich endgültig zu dem Post hier animierte.

Warum sollte ich mich entscheiden, einen bestimmten Blog zu abonnieren?
Weil ich etwas lesen möchte, was ich wirklich wissen will. Punkt.

Leider sehe ich oft in der Praxis statt Mehrwert für Leser, holprige SEO Versuche mit Sende-Taktik (die nicht zum Dialog taugt). Unpersönliche Wendungen wie „man“ oder „wir“ würde ich vermeiden. Ein Mensch sagt mündlich „ich denke dies oder das“ nicht „wir denken …“ ausser er ist Politiker und will sich den Mund nicht verbrennen. Persönlichkeit ist Trumpf auch oder besonders bei mehreren Autoren. Ja dann sind es halt verschiedene Persönlichkeiten.

Das Corporate Wording würde ich weglassen. Das wirkt steril, unpersönlich, werberisch. Wichtiger als der Textstil scheint mir ein echtes Commitment. Das kommt besser an, als Top-Texte von einem Auftragstexter. Ausserdem dauert so die Freigabe zu lange und der Post verliert nach gewünschten Korrekturen nicht nur den Charakter sondern sogar die Aktualität. Vermutlich werden auch weniger Leute kommentieren, wenn der Text schon alle Aspekte des Themas abdeckt.

Solche Supertexte gehören in ein Magazin, achso das sagte ich schon. Wer sich aber dennoch für SEO Texten interessiert, da lohnt sich textgold von Saim Alkan zu lesen. Da gibt es immer was zu Lernen, zum Beispiel die Story vom toten Frosch 😉

ps: der Beitrag ist in meinen Augen zu lang für einen optimalen Blogpost.

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Über su

Denkt, hört, lernt, kommuniziert, macht Fehler. Und dann noch Online Kommunikationsberaterin (schönes Wort), Dozentin, Yoga, KTM
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2 Antworten zu Das Handwerk Bloggen

  1. Claudio Schwarz schreibt:

    Ich finde es sowieso schade, dass in der Bloggosphäre allgemein wenig gelinkt wird. Auch in Beiträgen. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Aber das ist nichts Neues.

  2. philip reding schreibt:

    Ich finde den Gedanken des Blogrolls nicht nur sympathisch, sondern auch sehr nützlich, da dieser über den betreffenden Blog meist vermutlich mehr aussagt als die letzten drei Posts zusammnen. – Der Blogroll darf nicht sterben!
    Von mir aus darf man den Gedanken gern weiterziehen, etwa zu einer Art Interessensgemeinschaften, wo ähnliche Blogger sich problemlos zu irgendwelchen Labels zusammentun und gemeinsam für diese einstehen. Sollte technisch keine hohe Hürde sein. Hauptsache, der Gedanke des Austauschs wird gelebt, und zwar nicht nur in Form „billiger“ Pingbacks (die können auch liebevoll gestaltet sein, sind prinziell aber mehr praktisch als persönlich).

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